P(l)ay attention spielt ihr 10. Stück: #Woyzeck trifft den Zeitgeist

„Woyzeck ist der Mensch, auf dem alle rumtrampeln. Somit ein Behandelter, nicht ein Handelnder.[…] Somit ein Opfer, nicht ein Täter. Dramengestalt wird sozusagen die Mitwelt – nicht Woyzeck. […]

Alfred Kerr, Theater-Kritik, 15. Dezember 1927

In zwei packenden und mitreißenden Vorstellungen präsentierte die Theater AG unserer Schule ihr Jubiläumsstück #Woyzeck. Büchners Werk, heute noch immer aktuell und ein Spiegel der Abgründe menschlichen Seins. Opfer sind Täter, Täter sind Opfer – sich selbst, der Gesellschaft, dem Zwang, zu sein.

* Setze er sich, Woyzeck. *

Heutzutage sind es weniger die Standesunterschiede, wie sie Büchner thematisierte, die das Leben problematisch machen (können), sondern der Einfluss der Social Media nicht nur auf einen Teil der Gesellschaft, sondern auf ganze Generationen. Wir posten unsere Meinung, unverhohlen, wagen Dinge auszusprechen, die wir sonst aufgrund gesellschaftlicher Etikette eher ungesagt lassen, posten die neusten Fashionstyles und Bilder von uns, um auf dem virtuellen Laufsteg zu zeigen, wer bzw. was wir sind. Wir nutzen diese elektronische Bühne, um wir selbst zu sein wie man uns sehen will bzw. soll und offenbaren die Abgründe unseres Seins und am Ende bleibt…..das Ende: Woyzeck zerbricht an dem Druck, an der Demaskierung der Gesellschaft, der Erbarmungslosigkeit der Gedanken.

* Stich sie, stich sie.*

Die Zuschauer wurden mitgenommen auf eine Reise in die Oberflächlichkeiten und Abgründe unserer Gesellschaft und ihnen wurde eindrucksvoll gezeigt, welchem Druck vor allem junge Menschen heutzutage in vielen Bereichen ausgesetzt sind. Druck, der zu Höchstleistungen antreiben kann, jedoch in geballter Form das sich ohnehin bereits verlierende Individuum erdrückt.

#Woyzeck – eines der vielleicht eindrucksvollsten Stücke der vergangenen Jahre

#Danke – an alle Mitwirkenden, Regisseure, Techniker, Bühnenbauer, Graphiker, Photographen und Zuschauer für ihre Unterstützung

#GuiltyIfNotHappy

#FREIHEIT

#INDIVIDUUM

Désirée Kirschler