Bewegte Geschichte - Zeitzeugenbericht 30 Jahre Mauerfall

30 Jahre Mauerfall. Obwohl dieses Ereignis, welches unsere Nation formte, zeitlich gesehen weit von uns Schülern entfernt ist, kann niemand dessen Relevanz, auch und vor allem für uns junge Menschen, bestreiten. Durch den Besuch Siegbert Schefkes, eines Zeitzeugens, der maßgeblich durch seine Berichterstattung auf die Missstände in der DDR aufmerksam machte, wurde uns dieses Ereignis noch näher gebracht. 

Er berichtete über seine Erfahrungen in der DDR, seinen Werdegang in einem sozialistischen Staat und die Unterdrückung, die er durch diesen erleiden musste, welche ihn endgültig dazu bewegte, gegen das Regime der SED zu wirken.

Lebendig beschrieb er die Probleme, Einschränkungen und Ängste, die in der DDR allgegenwärtig waren. Schon als Jugendlicher hinterfragte er die Regierung. Vor allem die Trennung seiner Familie durch die Mauer beschäftigte ihn und prägte ihn schon in jungen Jahren. Seine daraus erwachsene Einstellung beeinflusste sein Leben maßgeblich: Ein eigentlich begabter und schlauer junger Mann wurde in seiner Bildung allein durch seine Ablehnung der autoritären SED behindert. Die Möglichkeit zu studieren, was ihm beliebte, wurde ihm genommen, da er sich weigerte einen dreijährigen Militärdienst in der NVA anzutreten. Die Vorstellung dazu gezwungen zu werden auf unbewaffnete deutsche Bürger zu schießen brachte ihn davon ab. 

Im Laufe seines Lebens wurde er immer wieder durch den Staat von seinem geplanten Weg abgebracht, er war nicht „klassenständisch gefestigt“, das heißt er war der Ideologie des Sozialismus nicht zugeneigt und damit ein potenzieller politischer Gegner des Regimes.

Schon 1985 fing er an gegen die SED zu arbeiten - angesichts der Probleme in der DDR, die zu der Verarmung vieler Bürger führte, und der extremen Umweltverschmutzung sah er sich gezwungen etwas zu unternehmen. Gemeinsam mit seinem Freund Aram Radomski machte er Videoaufnahmen und schmuggelte sie mit Hilfe westlicher Diplomaten in die BRD. Diese Aufnahmen wurden darauf im Westfernsehen, welches auch von den DDR-Bürgern oft heimlich angeschaut wurde, ausgestrahlt. Ihre Bedeutung als Bürgerrechtler stieg mit den Aufnahmen der friedlichen Demonstrationen in Leipzig am 9. Oktober 1989 erheblich. Diese wurden schon am nächsten Tag nicht nur in ganz Deutschland, sondern in der gesamten Welt ausgestrahlt. So wurde diese Demonstration auch erst in der DDR bekannt, die östlichen Propagandasender schwiegen vollkommen darüber. Diese Aufnahmen zeigten nun allen Bürgern der DDR wie sehr ihre freie Meinung von der SED unterdrückt wurde, der Staat war schon lange nicht mehr ein Staat des Volkes.

„Wir sind das Volk“. So schallten auch die Rufe in Leipzig, welche ohne die Berichterstattung Schefkes wohl ungehört geblieben wären. 30 Tage später fiel die Mauer.  

Anlässlich des 30. Jahrestages der zentralen Montagsdemonstration erinnern wir uns mithilfe von Zeitzeugenberichten, wie dessen von Siegbert Schefke, an die friedliche Revolution, die die deutsche Wiedervereinigung zur Folge hatte.

Hier geht's zum Artikel der PZ.

Text: Elias Minnerop, Max Reinhardt, Udo Stamm, Niels Niedoba

Photo: Elias Minnerop