Was bleibt? – Griechenlandfahrt 2019

Die Spannung steigt mit jeder Unterrichtsstunde, die wir für die Vorbereitung auf die Griechenlandfahrt im Computerraum verbringen.

„Herr Riexinger, ich kann Delphi nicht finden. Da gibt es nur Restaurants, Tavernen, Bars …., die heißen alle Delphi.“

Angekommen in Hellas begrüßt uns ein grauverhangener Himmel, schneebedeckte Gipfel, feine Regentropfen benetzen die Brillengläser. Wo ist der versprochene griechischblaue Himmel, die strahlende Sonne? Ob eine Anfrage beim pythischen Apoll in Delphi wohl Erleuchtung bringen wird? Bloß wer badet in der kastalischen Quelle und inhaliert anschließend die berauschenden Dämpfe? Sind Baden und Rauschmittel nicht ausdrücklich verboten worden? Vielleicht hilft ein Melonenopfer: Die Schalen für Apoll, das Fruchtfleisch für uns.

Am nächsten Morgen erhebt sich die rosenfingrige Eos und mit ihr erscheint Helios, der den Menschen das Licht bringt, Zeus sammelt seine Wolken wieder ein, die Laufstrecke in Olympia ist frei – schwimmen wollte nur einer!

Tempora mutantur – wie der Grieche auf Lateinisch sagt. Sparta ganz im Luxus schwelgend. Essen, Trinken, Wellness, all inclusive, für Griechenlehrerherz nur wenig Steine. Also ab in die Berge dem Staatspräsidenten weichend schon halb den Berg erklommen, obwohl, war das so ganz legal? Egal! Ein lakonischer Blick auf Mistras, Helena und Faust waren auch schon da…

Θάλασσα, θάλασσα. Mit dem Lehrer und den Füßen geht’s dann doch noch ins Meer. Schließlich müssen wir frisch gebadet sein, wenn wir ins Theater und zu Onkel Asklepios nach Epidauros gehen. À propos Baden, das kann ganz schön tödlich enden. König Agamemnon in Mykene hat da einschlägige Erfahrungen gesammelt, Klytaimnestra gar zweischlägige (παῖσον, εἰσθένεις, διπλῆν).

Nafplio? Da gab‘s nur Treppen, die Bayern waren auch schon da.

Zum Kampf der Wagen und Gesänge, der auf Korinthus' Landesenge der Griechen Stämme froh vereint,… Nemea, Korinth – nehmen wir im Sprint, da greift schon einer nach dem Lorbeer im Grand Slam der Stadionläufe. Oder wollte sich da ein Bauer auf Sellerie ausruhen?

Athen erwartet uns mit den big five: Akropolis, Akropolismuseum, Agora, Archäologisches Nationalmuseum, Deutsche Botschaft. Wir treffen uns vorden Propyläen. Manchmal ist auch dahinter davor – aber das ist Ansichtssache. Jetzt stecken wir erst einmal im Stau zwischen vor und hinter den Propyläen oder mittendrin unter all den Touristen. Da machen wir doch einen Besuch bei unserem ΗΡΩΙ ΣΧΛΙΜΑΝΝΩΙ… „So viele Museen habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht besichtigt“ – „Nehmt Euch in Acht vor den Uhlandschülern!“ – Ach ja, und die Deutsche Botschaft, ob die mich da inzwischen schon kennen?

Vor dem Hintergrund der griechischen Landschaft erwacht das im Griechischunterricht Gelernte zum Leben und wird für alle zu einem lebendigen und unvergesslichen Erlebnis ihrer Schulzeit. – Das bleibt!

Tobias Riexinger