Europäisches Jugendparlament (EJP) in Lübeck – Nationale Auswahlsitzung vom 6. bis 11. Juni

Nach knapp sieben Stunden Anreise, einem Flug und einer Autofahrt, habe ich es endlich geschafft. Ich stehe in Lübeck vor der Jugendherberge, in der ich die nächsten fünf Tage verbringen werde.

Nachdem ich mich bei der Regionalen Auswahlsitzung in Düren im März für die nächste Runde qualifiziert hatte, steht für die kommende Woche die Nationale Auswahlsitzung des Europäischen Jugendparlaments in Lübeck an und mich erwartet eine Möglichkeit, von der ich jetzt noch nichts ahne.

Nachdem ich mein Zimmer bezogen habe und schon meine ersten Zimmergenossinnen kennen gelernt habe, beginnt schon der erste Programmpunkt: das „Teambuilding“.

Wir treffen uns in unserer neunköpfigen Gruppe, in der wir bis zum Ende der Woche zusammen arbeiten und natürlich auch eine Menge Spaß haben werden. Dabei hilft auch das „Teambuilding“, das seinem Namen alle Ehre macht: Auch wenn ich die anderen Gruppenteilnehmer noch nie in meinem Leben zuvor gesehen habe, fühlt es sich allein schon nach den ersten paar Kennenlernspielen so an, als würde man sich schon ewig kennen. Die Jugendlichen, die ich beim Europäischen Jugendparlament getroffen habe, sind einfach alle auf der gleichen Wellenlänge und durch das „Teambuilding“ baut man ein enormes Vertrauen zu diesen Fremden auf und verliert, ob man will oder nicht, auch die letzten Berührungsängste.

Nachdem man sich nun miteinander vertraut gemacht hat, beginnt die eigentliche Arbeit, das „Committee Work“. Um es kurz auf Deutsch zu erklären: Dies ist die Arbeit in Kleingruppen bzw. Ausschüssen, in der eine Resolution mit Problemen und Lösungen zu einem bestimmten Thema ausgearbeitet wird. Das Dachthema der Nationalen Auswahlsitzung lautete „Perspektiven der Gesundheitsversorgung in der Europäischen Union“ und ich war Teil des „Ausschusses für Verbraucherschutz“. Unsere Aufgabe war es zu überlegen, wie wir medizinische Labore effektiver nutzen und sie in strukturell schwache Gegenden in Europa bringen können. Am zweiten Tag fand auch eine Eröffnungszeremonie im Lübecker Rathaus statt, in der wichtige Persönlichkeiten wie der Lübecker Bürgermeister oder der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein eine Rede hielten.

Obwohl das offizielle Programm an Tag zwei geschafft war, brach nun der wohl stressigste Teil an: Zehn Stunden lang konzentriertes Arbeiten. Auch wenn man schon seit 8 Uhr wach ist, ist es nicht unüblich während des EJPs mit seiner Gruppe bis um 3 Uhr morgens weiter zu arbeiten, auch wenn die „offizielle“ Arbeitsphase schon lange vorbei ist. Aber auch an den entsprechenden Schlafmangel gewöhnt man sich schnell.

Tag drei hingegen war relativ entspannt, da wir nur vormittags unsere Resolution fertig stellten und es nachmittags ein kulturelles Programm gab. Im Anschluss begann die heiße Phase: Die Vorbereitung für die kommende „General Assembly“, die Vollversammlung mit circa 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. An diesem Abend saßen meine Gruppe und ich ein weiteres Mal bis 3 Uhr nachts zusammen und schrieben an Reden, diskutierten unser Thema ein letztes Mal und am Wichtigsten: wir hatten ordentlich Spaß dabei.

Am nächsten Morgen ging es dann wieder ins Rathaus und die „General Assembly“ begann. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie es sich anfühlt mit knapp 150 Jugendlichen aus ganz Europa zusammen zu sitzen und über die Gesundheitsversorgung in Europa zu diskutieren. Das mag zwar sehr langweilig klingen, aber es ist alles andere als das. Es macht unglaublich Spaß sich an dieser lebhaften Diskussion zu beteiligen und die Meinungen anderer, gerade auch die Meinungen von Teilnehmerinnen und Teilnehmern anderer Nationalitäten, zu hören. Wenn man auf der Versammlung sitzt bekommt man erst so richtig zu spüren, was es heißt in Europa in einer Gemeinschaft zu leben.

Die große Versammlung erstreckt sich über zwei Tage und mit ihr endete am Samstag die Nationale Sitzung in Lübeck. Für besonders überzeugende Schuldelegationen und Einzeldelegierte geht es nach der Nationalen Auswahlsitzung noch weiter: Sie dürfen auf internationaler Ebene weiter debattieren. Und so darf ich stolz von mir behaupten, dass ich nun das deutsche EJP in Schweden vertreten darf! Es fühlt sich unglaublich an zu wissen, dass ich nun ein drittes Mal an solch einer Sitzung teilnehmen darf, vor allem an einer internationalen Sitzung. Ich empfehle wirklich jedem, der gerne Englisch spricht und gerne diskutiert, am Europäischen Jugendparlament teilzunehmen, da es eine einmalige Chance bietet, sich mit Jugendlichen aus ganz Europa über aktuelle Themen auszutauschen.

Maya Ludwig

Photos: Quelle: EYP Facebook